|
Medizinische Anwendung
Kava kommt in Ozeanien zum Einsatz als nervenberuhigendes und
schlaffförderndes Mittel, das aber auch durch seine dauerhaft aufmunternde
Wirkung Erschöpfungszustände verbessert. Kava hat auch eine unterstützende
Funktion beim Heilen von Asthma und Rheumatismus, Kopfschmerzen,
Muskelkrämpfen und Gonorrhöe. Das Kauen von Kava-Kava-Wurzeln soll
schliesslich auch die Liebeskraft anregen.
Weit verbreitet ist auch der Gebrauch als innerres und äußerliches
Schmerzmittel. Zum Beispiel in Papua-Neuguinea wird Kawa in grosser
Menge gekaut und geschluckt, um eine gewisse Betäubung beim schmerzhaften
Tätowieren zu erzielen.
Vor dem von den Gesundheitsbehörden unter Druck der Pharmakonzerne
verhängten Verbot von heimischen Kawapräparate, wurden in der
westlichen Phytotherapie Kavazubereitungen bei nervösen Angst-,
Spannungs- und Unruhezusständen sowie zur Unterstützung
der Konzentrationsfähigkeit und Leistungsstärke verwendet.
Kombinationspräparate mit Johanniskraut (Hypericum perforatum
L.) dienten als milde Antidepressiva. Die Essenz oder Urtinktur
wird auch in der Homöopathie u.a. bei Erregungs- und Erschöpfungszuständen
benutzt.
In den letzten Jahren wurde von den Pharmakonzernen nach angeblichen
durch Kava ausgelösten Leberschädigung in einzelnen Fällen
Druck auf die Behörden ausgeübt, diese beliebte Naturheilpflanze
zu verbieten, was dazu führte, dass das österreichische
Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen am
29. November 2001 ein amtwegiges Verfahren zur Aufhebung der Zulassung
von Kava-Kava (Kava, Piper methysticum) und Kavain-haltigen Arzneispezialitäten
in Anlehnung an das in Deutschland ausgelöste Stufenplanverfahren
zu Verdachtsfällen hepatotoxischer Nebenwirkungen eingeleitet
hat. Als ausführliche Gegenaktion zur allgegenwertigen Psychose
um Kava dient der Forschungsbericht der Universität
Münster. Hier ist der Abstrakt:
"Kava wurde bislang als eine Arzneipflanze mit sehr günstigem
Risikoprofil bei ausgeprägter Wirksamkeit betrachtet. Hinsichtlich
der aktuell diskutierten hepatischen Nebenwirkungen zeigt bereits
eine oberflächliche Analyse der verfügbaren Daten, dass
in der Presse ein verzerrtes Bild des tatsächlichen Leberrisikos
von Kavaextrakten gezeichnet wurde. Nach Abzug von Mehrfachmeldungen
und Fällen, die nicht oder sehr wahrscheinlich nicht im Zusammenhang
mit der Einnahme von Kava standen, verbleiben gerade einmal vier
einigermaßen gut dokumentierte Verdachtsfälle (IKS-2000-0014;
IKS 2000-3502; Kraft et al. 2001 (74) und Strahl et al. 1998 (131)).
Von diesen Fällen trat lediglich ein einziger im Zusammenhang
mit einer monographiekonformen Dosierung hinsichtlich der Kava-Monographie
der deutschen Kommission E auf (Strahl et al. 1998 (74)). Aus den
hinsichtlich des Zusammenhangs mit Kava als "wahrscheinlich"
zu betrachtenden Fällen errechnet sich eine Inzidenz von 0,008
Fällen auf eine Million Tagesdosen ethanolischer Kavaextrakte,
entsprechend einem Fall bei 125 Millionen Anwendungstagen. Diese
Inzidenzschätzung liegt somit um den Faktor 265 unterhalb des
für Diazepam bekannten Leberrisikos mit einem Fall auf 472.000
Anwendungstagen. Ein Verbot von Kava würde somit das Nebenwirkungsrisiko
steigern und nicht senken."
|